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John Maynard

Im Unterricht haben wir uns mit Balladen beschäftigt. Eine davon handelt von John Maynard, dem Steuermann des Schiffes “Schwalbe”. Wir sollten diese Ballade – eine Mischung aus Erzählung, Gedicht und Drama – in eine Erzählung umschreiben. Das ist meine Version:

Mein Name ist John Maynard. Ich bin der Steuermann der ,,Schwalbe“, die gerade mit einer Ladung von Passagieren auf dem Weg von Detroit nach Buffalo den Eriesee überquert. Es ist kalt draußen, der Wind weht stark, doch trotzdem stehen viele Passagiere an der Reling und bewundern die Schönheit der dunklen, geheimnisvollen Nacht. Noch eine halbe Stunde, dann wird der Hafen von Buffalo nur noch wenige Meter entfernt sein. Alle sind in bester Stimmung und freuen sich bereits auf die Ankunft.

Aber was ist das? Ich höre Schreie aus dem Maschinenraum zu mir herauf dringen, erst nach ein paar Augenblicken wird mir klar, was alle rufen: ,,Feuer!“

Ich will es nicht wahr haben. Doch dann sehe ich den dicken, undurchdringlichen Qualm drohend unter mir aufsteigen. Die Passagiere versammeln sich dicht gedrängt und panisch am Bug, der einzige Ort auf dem Schiff, wo man noch klar sehen und vernünftig atmen kann. Von der fröhlichen, heiteren Feierstimmung ist nichts mehr zu spüren. Die Angst steht allen ins Gesicht geschrieben und der beißende Geruch von Feuer macht das Atmen schwer. Auch in der Brücke sammelt sich der erstickende Rauch und im Hintergrund höre ich die verzweifelten Rufe der Anderen. Ich beginne zu schwitzen, Panik steigt in mir auf: Was, wenn ich die ,,Schwalbe“ nicht an den rettenden Strand bringen kann? Ich will nicht, dass ich ich nach dieser Fahrt das Leben aller Passagiere hier auf dem Gewissen habe. Ich will nicht, dass sie alle sterben müssen, weil ich sie nicht retten konnte.

Auf einmal höre ich eine vertraute Stimme.,,John Maynard, ist alles in Ordnung? Geht es dir gut?“, kommt es aus dem Sprachrohr. Der Kapitän hat noch nicht aufgegeben. Zum Glück!

,,Ja, alles in Ordnung“, antworte ich tapfer. Ich weiß nicht, ob der Kapitän hört, dass dies nicht der Fall ist, doch wenn, dann lässt er es sich nicht anmerken. Als er wieder spricht, klingt seine Stimme etwas weniger verzweifelt. ,,Gott sei Dank, wir haben noch eine Chance. Halte durch, du wirst es schaffen, der Strand ist nicht mehr weit!“

Und wirklich: Es würde vielleicht noch 10 Minuten bis Buffalo dauern. Ein winziger Funken Hoffnung leuchtet in mir auf, als ich das bemerke. Doch auch dieser Hoffnungsschimmer löscht die Feuerbrunst nicht. Nun sieht man bereits die Flammen am Heck auflodern. Der Rauch wird dichter und dichter, meine Lunge fühlt sich an, als würde sie gleich explodieren. Ich spüre, wie ich schwächer werde, der erstickende Qualm brennt in meinen Augen. Und wieder knackt das Sprachrohr: ,,John Maynard, ist alles okay?“ Als ich antworte, höre ich, wie meine Stimme langsam erstirbt: ,,Ja Kapitän, ich werde es schaffen, ich werde den Strand erreichen, bevor auch nur einen das Leben verlässt.“ Ich weiß nicht, woher ich die Kraft nahm, das zu sagen, doch ich brachte es heraus.

Die Antwort des Kapitäns höre ich nicht mehr, ich höre gar nichts mehr. Die Schmerzen in meinem Innern ignoriere ich. Das Einzige woran ich denke ist: Ich darf jetzt nicht aufgeben!

Ich beschleunige das Schiff so stark ich kann, der Fahrtwind bläst mir kalt und ungemütlich ins Gesicht, doch auch das spüre ich nicht. Ich kann nur noch flach atmen und kaum etwas sehen, aber nichts soll mich jetzt noch daran hindern, die Menschen auf diesem Schiff in Sicherheit zu bringen.

Die Schreie und Rufe, die ich vorhin noch als so unendlich laut empfunden habe, sind nun nur noch ein leises Murmeln im Hintergrund. Ich sehe den Strand schon vor mir und ich sehe, wie alle von Board springen und sich an den Strand retten. Ich merke, wie mich die Lebenskraft verlässt und plötzlich bin ich glücklich. Denn wenn dies das Letzte ist, was ich sehe, weiß ich, dass ich in dem Gewissen sterbe, diesen Menschen das Leben gerettet zu haben.

Und dann wird alles schwarz.

Johanna (6a)

Hier ist der Link zum Original von Theodor Fontane: http://www.handmann.phantasus.de/g_johnmaynard.html

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